Unsere Segelfreizeit 2015

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Entspannung, Erholung, gemeinsame Erfahrungen und Horizont sehen – mal aus dem Alltag herauskommen und sich und andere Menschen neu kennenzulernen, waren die Wünsche der Segelcrew und am 29.8.2015 wurde in den See gestochen.

Am 29.8.2015 traf sich die 12-köpfige Segelcrew in Iserlohn mit dem festen Ziel gegen Mittag in Harlingen (Niederlande) „einzuschiffen“ und vom 2-Master „Amicitia“ (Freundschaft) im Empfang genommen zu werden. Nach unserer Ankunft bei Sonnenschein lernte die Gruppe den Skipper Theo und seinen Hund Baku kennen und es wurden die 2-er Kabinen bezogen und in Teamarbeit das mitgebrachte Gepäck und Proviant verstaut. Das Boot war aufgrund von Ebbe und niedrigem Wasserstand mittlerweile eineinhalb Meter gesunken und es musste eine „Holzplanke“ passiert werden, um auf Deck zu gelangen – die erste größere Herausforderung. Ohne Teamwork und Zuspruch für den Einstieg in die Segelwoche kaum denkbar. Spätestens nach der offiziellen Begrüßung durch den Skipper und seiner Matrosin war klar: „Das Schiff segelt nicht von alleine“.

Die anfänglichen Befürchtungen der Freizeitteilnehmer ihre Handycaps könnten Ihnen stark im Wege stehen, waren nach dem ersten gemeinsamen Segelsetzen verflogen und es konnte losgehen. Grundmotto war, dass sich jede/r so einbringen konnte, wie es krankheitsbedingt möglich ist. So waren z.B. das körperlich anstrengende Segelsetzen und Segelfalten nicht jedermanns Sache. Dafür aber die Bootsicherung bei Anlegemanövern oder Verstauen und Einrollen von Tauen. An Aufgaben an und unter Deck mangelte es also nicht und es gab immer etwas zu tun. Zudem sorgten mehrere Tagesdienste (Finanzen, Logbuch schreiben, kochen, einkaufen, Tisch decken und spülen, putzen), die in 2er Gruppen erledigt wurden und täglich wechselten, für Diskussionsstoff und die Möglichkeit für den eigenen Bereich Verantwortung zu übernehmen. Inhaltliche Hilfestellung sowie Vermittlung bei Konflikten wurde hierbei durch die Integra-Teamer gegeben. Trotz diverser Dienste kamen Erholung und Entspannung natürlich nicht zu kurz und das Wattenmeer wurde mit all seinen Facetten genossen.

Abhängig von Wind und Gezeiten wurde die Segelroute von Tag zu Tag neu geplant. Eines war allerdings sicher: Bei Wind bleibt der Motor aus und der Skipper setzt auf seine Crew und Segel. In den kommenden sechs Tagen lernte die Gruppe die malerischen Inseln, Texel, Terschelling und Vlieland kennen sowie das Ijsselmeer und das Örtchen Makkum. Ein ganz besonderes Highlight war das „Trockenfallen“ und eine Nacht auf hoher See vor der Insel Vlieland.

Eine besondere Herausforderung für die Crew stellte auch die räumliche Enge unter Deck dar. Angesichts der Tatsache, dass viele der Teilnehmer schon seit Jahren alleine leben und sich vor der Fahrt nur von einem Vortreffen kannten, war es erstaunlich, wie schnell die Gruppe zusammenwuchs und ein Gemeinschaftsgefühl aufkam. Dazu beigetragen haben hierbei sicher der ein oder andere Spieleabend und gemeinsamer Stadtbummel an Land. Aber auch der offene Umgang mit den eigenen Lebensgeschichten, der Austausch von gemeinsamen Erfahrungen aus dem heimischen Alltag und die notwendige und geforderte Toleranz des Gegenübers machten herausfordernde Bedingungen an und unter Deck zu einem positiven Erlebnis.

Am 4.9.2015 wurde um 16:00 Uhr „ausgeschifft“ und die Gruppe brach mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf, um wieder gen Heimat zu fahren. Nach der ereignisreichen Woche traf Trennungsschmerz auf erste Anzeichen von Heimweh und die Vorfreude auf die „Wartenden“ zu Hause. Ein baldiges Nachtreffen und eine Neuauflage der Segelfreizeit wurde von allen Beteiligten gewünscht. Es entstanden neue Bekanntschaften, gemeinsame schöne Erfahrungen, positive Erinnerungen wurden wieder wach und die Erkenntnis, dass man „Horizont“ zwar in Holland sehen kann – aber diesen auch mit eigenem Kompass im eigenen Lebensumfeld finden kann – ist sicher eine Erfahrung, die über die Ländergrenze mitgenommen wurde.

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